

Für mich fängt der Pfingstsamstag perfekt an: Ich habe ein Ticket für einen Zeppelinflug in meiner Tasche und fahre aufgeregt nach Friedrichshafen zum Zeppelin-Hangar um den See einmal aus der Vogelperspektive anzuschauen.
Am Hangar werde ich freundlich begrüßt und nach Vorlage meines Ausweises folgt für mich und den 11 weiteren Fluggästen ein kleiner Sicherheitscheck. Anschließend dürfen wir, um die Wartezeit zu überbrücken, noch einen gut gemachten kurzen Film über die Geschichte des Zeppelins auf der Leinwand schauen.. Es sind tolle Kameraeinstellungen dabei und er ist sehr ruhig und stimmungsvoll gestaltet und nimmt so vielleicht dem ein oder anderen die Aufregung, steigert jedoch auch die Vorfreude auf das bevorstehende Ereignis.

Mit einem kleinen Bus werden wir dann auf das Startfeld gebracht und in 2er Grüppchen treten wir den sogenannten fliegenden Einstieg an. Das heißt, dass der Zeppelin gar nicht richtig landet oder fest verankert ist, sondern dass er während der ganzen Zeit des Zustieges in der Luft schwebt. Immer wenn 2 Gäste des vorherigen Fluges den Zeppelin verlassen, steigen 2 von uns ein, damit das Gleichgewicht im schwebenden Zeppelin erhalten bleibt. Das hört sich schwieriger an als es ist, aber auch die Oma mit den stylishen silbernen Turnschuhen mitsamt ihrer Enkelin ist ruckzuck in der geräumigen Kabine. Innerhalb von Minuten sitzen wir alle auf unserem Platz, sind angeschnallt und bereit für alles weitere. Das Schöne ist, dass es im Gegensatz zum Flugzeug hier nur Fensterplätze gibt.



Den Start empfinde ich ganz anders als bei meinen vorherigen Flügen mit Airbus, Hubschrauber und Co, schräg und leise geht es auf eine Höhe von ca 300 m und schon sehe ich den Bodensee von weit oben, aber noch nah genug, um viele Details zu erkennen.
Jeder von uns hat eine Kamera oder zumindest ein Smartphone in der Hand, um Fotos zu schießen, was das Zeug hält. Mein Sitzplatz ist sogar an einem der 2 Fenster, die geöffnet werden können und so werden meine Fotos spiegelfrei und ich spüre den Wind in den Haaren. Ich habe übrigens herausgefunden, dass ich die angesagten Flat Lay Fotos der etwas anderen Art machen kann, wenn ich die Kamera komplett aus dem Fenster Richtung Landschaft halte. Beim Nachmachen nicht vergessen, das Teil um den Hals mit der Kordel zu sichern, denn es ist ziemlich windig und die Kamera schnell verloren. (Mit dem Smartphone ist es vielleicht nicht so eine gute Idee).
Im hinteren Teil des Luftschiffes ist auch ein großes Panoramafenster, größer als mein Fenster zuhause im Wohnzimmer. Dort am besten einfach hinsetzen, gucken, genießen und die Eindrücke in der “Kopfkamera” speichern, was eh am meisten Spaß macht.
In der modern und bequem gestalteten Kabine kann ich mich frei bewegen, hin und her gehen (solange nicht alle Passagiere gleichzeitig auf einer Stelle sein wollen), dem Piloten Oliver Jäger über die Schulter schauen und mich mit den anderen Passagieren unterhalten. Während des Fluges erklärt die nette Hostess allerlei, macht uns auf Besonderes auf dem Boden aufmerksam, kümmert sich kompetent um Elvis, den Londoner, der kein deutsch versteht und hat auf jede unserer Fragen die passende Antwort.
Schwerelos und gemütlich gleitet der Zeppelin über die Landschaft, nur manchmal schaukelt er von rechts nach links oder vorne geht die Nase hoch und runter. Ich habe im Zeppelin eher das Gefühl, auf einem Schiff mit leichtem Wellengang zu sein als in einem “Flug-“zeug. Vielleicht kommt daher auch der Name “Luftschiff”. Ein ungewohntes Empfinden, dass mir wirklich neu ist.




Die Zeit vergeht sprichwörtlich wie im Flug während ich über Friedrichshafen, den See und die Markdorfer Gegend schaukele. Hätte ich noch einmal das Glück, einen Zeppelin zu besteigen, würde ich definitiv eine der längeren Routen über die Mainau oder über das Allgäu nehmen, denn wie schön müssen erst die Blumeninsel oder die Berge von oben aussehen.
Es gibt für jeden Anspruch und Geldbeutel die passende Route – was jedoch nicht planbar ist, ist das Wetter. Sollte einmal kein Flugwetter sein, wird der Flug problemlos umgebucht. Es macht bestimmt auch keinen Spaß, bei Regen oder starkem Nebel zu fliegen, auch bei Starkwind stelle ich es mir nicht unbedingt prickelnd vor.
Leider geht es dann auch schon wieder dem Ende zu und wir landen bzw schweben einige cm über der Erde um rasch auszusteigen und in die Zeppelinlounge geführt zu werden. Dort trinken wir ein Gläschen Sekt, nehmen stolz unsere Zeppelinflug-Urkunde in Empfang und haben Zeit , einer der allesamt wirklich netten Mitarbeiterinnen einige Fakten zu entlocken. So erfahren wir zB, dass alleine die Hülle des Zeppelins 1 Mio Euro kostet und nur eine Dicke von 0,34 mm hat. Da relativiert sich auch schnell der Preis eines solchen Fluges.
Im geschmackvoll eingerichteten Restaurant “Hangar FN” habe ich anschließend noch die Gelegenheit, mit ein paar Mitfliegenden zu sprechen, und wir waren uns einig, dass dieses besondere Erlebnis jeden Cent wert ist.


Alles in allem war dies ein wirklich außergewöhnlicher Pfingstsamstag für mich, mit Eindrücken, die ich nicht so schnell vergessen werde. Immer wieder wurde ich von Urlaubern und Bodensee-Besuchern gefragt, ob ich als Einheimische schon mal Zeppelin geflogen bin und nun kann ich diese Frage mit Ja beantworten und jedem nur raten, sich auf dieses Abenteuer einzulassen.







Bei dem Zeppelinflug hat mich die Deutsche Zeppelin-Reederei GmbH unterstützt. Vielen lieben Dank dafür!
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Dampfend steigt das warme Wasser in die klirrend kalte Luft, während ich im wunderbar atmosphärisch beleuchteten Außenbecken der Meersburg Therme den Ausblick auf die Alpen genieße.
Für ein paar Stunden relaxen, es sich gut gehen lassen und etwas für das eigene Wohlbefinden tun. Das kann ich hier hervorragend, denn die ganze Therme ist auf eine sympathische Weise unaufgeregt und strahlt Ruhe und Entspannung aus. Einfach mal nichts tun, untertauchen und die Gedanken schweifen lassen.



Besonders schön gelingt mir das im Saunabereich der Therme. Im Innenbereich kann ich zwischen den verschiedenen Saunen wie der finnischen Sauna, dem Sanarium, oder dem Dampfbad wählen und danach am Kaminfeuer oder auf einer gemütlichen Liege an der großen Fensterfront dösen. Eine Tafel am Eingang zeigt die jeweiligen stündlichen Aufgüsse an, die professionell durchgeführt werden. Was es mit den Löffeln neben der Beschreibung auf sich hat, weiß ich allerdings auch nicht. Grund genug für einen weiteren Besuch….

Drinnen gibt es auch einen Hamam mit tollen orientalisch blau-türkisen Kacheln, sehr schön und mystisch. Leider vermisse ich da die obligatorischen Waschschüsseln, denn das ist ja Sinn und Zweck eines Hamams. Ansonsten ist es ja keine Badezeremonie sondern eine ziemlich trockene Angelegenheit.



Draußen geht es spannend weiter. Ich habe die Wahl zwischen einer See- und einer Lehm-Sauna, die wunderbar erdig und holzig riecht und einer Pool Sauna. Alle sind als Pfahlbauten nach historischem Vorbild gebaut und fassen bis zu 55 Gästen. Ein Außenbecken mit Wasserfall bringt die gewünschte Abkühlung danach oder du benutzt das große Becken, den Bodensee, zum Reinspringen…
Zahlreiche Sitz- und Liegeflächen sind vorhanden und auch im Winter bei Sonne ein besonderes Vergnügen.







Im Gegensatz zur Überlinger Therme geht es hier in Meersburg viel beschaulicher zu. Kein Kinderlärm oder rutschende Jugendliche: Es ist kein ausgewiesenes Spaßbad sondern eine ruhige Oase mitten im quirligen Meersburg. Klar, ich war das letzte Mal in der Woche morgens da, aber auch abends habe ich es nie als zu voll wahrgenommen. Sehr gut finde ich auch, dass die Mitarbeiter die mit Handtüchern reservierten Liegen (typisch deutsch) höflich abräumen und die persönlichen Sachen in einem Korb daneben platzieren, so dass jeder Suchende eine freie Liege findet.





Mir ist in solchen öffentlichen Bädern auch immer die Sauberkeit und der Geruch wichtig. Ich mag es überhaupt nicht, wenn es nach Desinfektionsmitteln oder noch schlimmer, nach nassen Handtüchern riecht. Hier ist alles “tippi toppi” wie die Schweizer sagen und man kann mit allen Sinnen genießen.
Die Öffnungszeiten sind von
Montag bis Donnerstag von 10 bis 22 Uhr
Freitag und Samstag von 10 bis 23 Uhr
Sonntag von 9 bis 22 Uhr
Montags ist ganztägig Damensauna, außer in den Ferien und an Feiertagen.
Die Anfahrt findest du hier
Warst du auch schon in der Meersburg Therme? Wie hat es dir gefallen? Über eine Nachricht freue ich mich.
]]>Die imposante altrosa Wallfahrtskirche liegt direkt an der Oberschwäbischen Barockstrasse. Und jeder Einheimische kennt das im Sommer: Man fährt zügig auf der B 31, will von A nach B, um dann kurz vor der Birnau abrupt auf die Bremse zu treten, weil jeder bei laaangsaaamer Fahrt die Kirche bewundern möchte und es deshalb ständig zu einem Rückstau kommt.
Verstehen kann ich ja die Touristen, die mit dem Handy schnell noch ein paar Fotos auf der Fahrt machen wollen. Auch ich bin immer wieder begeistert, besonders wenn zufällig gerade die Sonne untergeht und der Himmel und der See sich blutrot färben.
Die Kirche an sich gilt als Rokoko-Perle und ein absolutes Highlight am Bodensee. Denn nicht nur der Prachtbau ist wunderschön, sondern auch der Ausblick ist phänomenal. Hoch oberhalb des Sees thront die Birnau und gibt den Blick frei bis weit über den Bodensee bis zu den Alpen und der Blumeninsel Mainau. Und direkt an den Kirchplatz grenzen die Weinberge und das Schloss Maurach und laden die Ausflügler zum Verweilen und Spazierengehen ein.
Im Mittelalter hatte die Birnau noch einen anderen Standort. Weiter nördlich auf einem kleinen Hügel in der Nähe von Nussdorf. Es war eine kleine Marienkapelle, die als Wallfahrtsort genutzt wurde. Durch das Loskaufen von Sünden verdiente die Kirche durch die Pilger enorm viel Geld und deshalb wurde aus dem kleinen Kappelchen später im 14. Jahrhundert eine größere Kirche, damit die Gläubiger dort Platz fanden. Und wie die Kirchen nun mal sind, wurde zudem eine Marienfigur errichtet, die Wunder bewirken konnte und den Ansturm nochmals steigerte. So wurden die Kassen des Klosters immer voller.
Später wurde sich oft um die Kirche gestritten, sie wurde zerstört und wieder aufgebaut und letztendlich erfolgte der Neubau an der jetzigen Stelle. Die Bauzeit betrug nur 4 Jahre, auch dank der reichlich vorhandenen Gelder und 1750 wurde die heutige Birnau feierlich eingeweiht. Architekt war Peter Thumb, der weitgehend Materialien aus der Gegend verwendete: Kalk aus Bregenz und Holz aus Markdorf.
Natürlich durfte die verehrte Marienstatue aus der ehemaligen Kapelle nicht fehlen und in einer Nacht und Nebel Aktion wurde sie aus der ehemaligen Kapelle integriert.
Zeitgleich wurde unterhalb der Birnau das Schloss Maurach aus schon existierenden Gebäuden errichtet. Warum es als Schloss bezeichnet wird, weiß ich auch nicht, denn es handelte sich in früherer Zeit nur um die Stallungen der ehemaligen Reichsabtei Salem. Sie dienten dem Kloster als Wirtschaftsgebäude und Schiffsanlegestelle. 1980 kaufte die Landeskreditbank das Gebäude, modernisierte es und seitdem dient es als Tagung- und Seminarhaus.
Eine Eigenheit der Barockkirche ist die Hauptausrichtung. Normalerweise zeigen die schwäbischen Kirchen nach Osten, allerdings wurde hier die Richtung ein klein wenig nach Norden verschoben, damit die Sichtachse vom Bodensee schöner ist und es so aussieht, als ob die Kirchenspitze den Himmel berührt.
Typisch für die Kirche sind die vielen verzierten Uhren, 10 an der Zahl. Sie sollen unter anderem den Mönchen die Endlichkeit ihrer Tage vor Augen führen.Ungewöhnlich sind die 3 Uhren in der Kirche. Ich selbst kenne keine Kirche, in deren Inneren Uhren angebracht sind. Besonders schön ist die Monduhr, in der die Königin der Nacht mit einem Stab den Tag des Mondlaufes angibt, während die Kugel die Mondphasen verdeutlicht.
Im Inneren soll die Pracht der Kirche den Gläubiger von der Größe Gottes überzeugen. Vor lauter Pastellfarben, goldigen Ornamenten, Malereien und Figuren weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Aber das ist eigentlich auch egal. Alles ist schön, wenn man auf Prunk steht. Minimalisten werden die Krise bekommen. Aber die sollten vielleicht auch nicht eine Barockkirche als Maßstab nehmen.
Besonders gefallen hat mir das Deckenbild im Langhaus. Über der Orgel wird eine Engelsgruppe dargestellt, die ein Konzert veranstalten. Gegenüber ist Maria zu sehen. Aber anstatt sich den Engeln zuzuwenden und das Konzert zu genießen, blickt sie zu den weltlichen Stiftern des Klosters Salem: Guntram und seine Tochter Mathilde von Adelsreute und den Salemern Äbten. So siegt mal wieder der schnöde Mammon vor der engelsgleichen Musik. Drumherum sind die Pilger abgebildet und der Maler dieses Bildes hat sich hier mit seinem gebrochenen Bein auch verewigt. Er ist während der Malerarbeiten anscheinend von der Leiter gefallen. Und nun kann man ihn mit bandagiertem Bein zwischen den Pilgern entdecken.
Am bekanntesten ist wahrscheinlich der kleine Honigschlecker am Seitenaltar, ein Putto mit Bienenkorb, der den Genuss der honigsüßen Worte vom Heiligen Bernhard symbolisieren soll. Ihn kann der Besucher auch in allen erdenklichen Größen im angrenzenden Souvenirshop erstehen.
Ob religiös oder nicht, egal welcher Konfession. Ich finde, die Birnau muss man gesehen haben. Es lässt sich auch vorzüglich dort heiraten. Die dort entstandenen Bilder sind ja fast schon eine Hochzeit wert.
Leider darf man in der Kirche -eigentlich- keine Bilder machen. Um mehr zu sehen, müsst ihr also selber vor Ort sein. Es lohnt sich!
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So sieht Peter Lenk, ein deutscher Bildhauer aus Bodmann zumindest seine moderne Version des Bodenseereiters.
Direkt an der Promenade, auf dem Landungsplatz, steht Überlingens berühmtester und provokantester Brunnen, der die Betrachtenden in 2 Lager spaltet: Entweder liebt man Lenks eigenwilligen Stil oder man findet seine Gegenwartskunst grotesk und beleidigend.
Mir persönlich gefällt er, ich finde Lenks Kunstverständnis sehr amüsant und ausgefallen, anfangs oft nur komisch, bei näherer Betrachtung aber immer sehr gesellschaftskritisch und selbstironisch.
In Überlingen ist nun die Ballade vom Ritt über den Bodensee von Gustav Schwab dargestellt. Der vermeintliche Reiter wollte eigentlich den Bodensee mit einem Kahn überqueren, hielt den zugefrorenen See jedoch für eine unbebaute, baumlose Ebene; ritt mit seinem Pferd über diese und erlitt einen Herzinfarkt, nachdem er am anderen Ufer angekommen war und die Leute ihn zu diesem mutigen Ritt beglückwünschten.
Wie auf den Bildern gut zu erkennen ist, thront nun Martin Walser auf einem klapprigen Gaul, guckt ängstlich in die Ferne und hat sich schon mal Schlittschuhe an die Füße geschnallt, nur für den Fall der Fälle.. Der Schriftsteller selber war nicht erfreut über seine Präsenz da hoch oben. Er drohte sogar zeitweise, seine Heimat zu verlassen, da er die Anspielung Lenks “damit er auf dem dünnen Eis der Geschichte nicht ausrutscht” gar nicht lustig fand. 
Getragen wird er von 2 drallen Nixen mit beeindruckenden Oberschenkeln, begutachtet von einer alten nackten Meerjungfrau und lustigen Wasserspeiern. So weit, so gut. Interessant wird es, wenn der Betrachter erfährt, dass es sich bei den Nixen um Lenks Töchter handeln soll (in Natura sind beide viel hübscher!! Wirklich!!) und bei der älteren Nixe mit der süßen Badekappe inspirierte ihn seine Schwiegermutter.
Die beiden Wasserspeier, die munter Fische ausdrücken oder mit heruntergelassener Hose Blubberblasen produzieren, repräsentieren ehemalige Bankdirektoren, die sich nicht an der Finanzierung des Brunnenprojektes beteiligen wollten.
“Hätte ich das vorher gewusst, wäre der Brunnen so niemals genehmigt worden!” lachte der Bürgermeister bei der Enthüllung des Brunnens.
Im Bodenseeraum findet man noch weitere Werke des Künstlers, so die Imperia in Konstanz, die Magische Säule in Meersburg oder Ludwigs Erbe in Ludwigshafen.
